Online handbuch beweidung im naturschutz


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Online handbuch beweidung im naturschutz

Diese Seite ist Teil des Online -Handbuchs "Beweidung im Naturschutz". Die weiteren Kapitel finden Sie in der Übersicht. Zur Übersicht. Zitiervorschlag siehe unten. Rinder sind für viele Beweidungsprojekte, sowohl in trockenen als auch feuchten Lebensräumen, aufgrund der wenig aufwendigen Zäunung und des wenig selektiven Verbisses die erste Wahl, wobei die Frage der Rasse zweitrangig ist. Probleme können sich in Habitaten ergeben, in denen Bodenverletzungen unerwünscht sind.

Hier sollten gegebenenfalls Jungrinder leichter Rassen oder Zwergrassen zum Einsatz kommen. Aufkommende Gehölze werden von Rindern oft nicht ausreichend eingedämmt. Ideal ist die Kombination von Rindern mit anderen Tierarten zum Beispiel Ziegen zur Gehölzreduktion. Heckrindkuh mit Kalb in den Lippeauen Nordrhein-Westfalen.

Foto: Andreas Zahn. Vermutlich wurde das Hausrind im Mittleren und Nahen Osten aus der dort lebenden Form des Auerochsen Bos taurus domestiziert und schon vor rund 8. Zebus wurden aus einer älteren asiatischen Form des Auerochsen, dem Indischen Auerochsen Bos primigenius namadicusgezüchtet.

Rinder dienten oft nicht nur zur Milch- und Fleischgewinnung, sondern auch als Zugtiere. Sie waren bis ins Jahrhundert hinein in der Regel viel kleiner und leichter als die heutigen Hochleistungsrassen. Erst in der Mitte des Jahrhunderts setzte die gezielte Zucht mit differenzierten Zuchtzielen ein LUICK Durch Fortschritte in der Züchtung und Fütterung Gras- und Maissilage beziehungsweise Raps- und Sojaschrot haben sich Fleisch- und Milchleistung vieler Rassen stark erhöht mit Spitzenwerten von über Bei den meisten Rassen steht entweder die Milch- oder die Fleischleistung im Vordergrund.

Weltweit stellt die Mutterkuhhaltung die meistverbreitete Form der Rinderhaltung dar. Seit der Milchkontingentierung erlebt sie in Deutschland einen stärkeren Aufschwung als extensive Form der Fleischerzeugung. Dabei verbleibt das Kalb bis zum Alter von 6 bis 10 Monaten bei der Kuh. Männliche Tiere werden dann als Bullen oder Ochsen bis zur Schlachtreife separat gehalten.

Die Sozialstruktur dieser Herden kommt derjenigen von Wildrindern recht nah. Wild lebende Hausrinder leben meist nach Geschlechtern getrennt. Erwachsene Bullen bilden territoriale Gruppen oder leben solitär; auch Kühe mit ihrem Nachwuchs bilden Gruppen BUNZEL-DRÜKE et al. TOST konnte auch Herden aus Kühen mit ihrem Nachwuchs und einem dominanten Alphabullen sowie einigen weiteren adulten Bullen beobachten.

In die Enge getrieben, können sie Menschen angreifen. Rinder nutzen als Wiederkäuer die Nahrung weit besser aus als zum Beispiel Pferde. Ihr mehrteiliger Magen ermöglicht es ihnen, durch mikrobielle Verdauung auch solche Kohlenhydrate als Nahrung zu nutzen, die für andere Säugetiere mit nur einem Magen kaum nutzbar sind zum Beispiel Zellulose. Die Nahrungswahl von Rindern ist, zum Beispiel verglichen mit der von Schafen, wenig selektiv und umfasst ein reiches Spektrum an Gräsern, krautigen Pflanzen und Gehölzen ausführliche Angaben in BUNZEL-DRÜKE et al.

Das erklärt, warum Untersuchungen zu teilweise recht unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Manche Pflanzenarten zum Beispiel Brennnesseln, Binsen, Indisches Springkraut oder bestimmte Disteln oder Gehölze werden zudem nur in bestimmten Altersstadien oder zu bestimmten Jahreszeiten gefressen ZAHN et al. Dadurch kann beim Umtrieb oft der Eindruck entstehen, dass manche Arten völlig gemieden werden. Von vielen Gehölzen werden nur Blätter oder junge Triebe gefressen und die Intensität des Verbisses hängt stark vom Angebot ab.

So werden Fichten und Kiefern nur auf manchen Weideflächen verbissen. Auf unterbeweideten Flächen überleben selbst schmackhafte Pflanzenarten, solange sie nicht zu häufig vorkommen, in den von Rindern weniger frequentierten Bereichen. Andererseits werden selbst generell gemiedene Arten als Jungpflanzen in den von den Rindern geschaffenen und erhaltenen Bereichen mit niederwüchsigen Weiderasen verbissen ZAHN et al. Bäume insbesondere Weiden werden von Rindern auf manchen Weideflächen intensiv geschält, auf anderen hingegen nie.

Vermutlich hängt das unter anderem von dem Beweidungszeitpunkt und von der Versorgung mit bestimmten Mineralstoffen ab ZAHN et al. Dies kann man sich zur Reduktion von Gehölzaufwuchs zu Nutzen machen. Im Winter scharren Rinder nicht wie Pferde im Schnee nach Nahrung BUNZEL-DRÜKE et al. In Bayern wurden viele wertvolle Landschaftstypen, wie zum Beispiel Almen oder Almendweiden, traditionell durch Rinder beweidet und die Fortführung dieser Nutzungsform auf extensiver Basis ist die beste Methode für deren Erhalt RINGLER Insbesondere für Jungrinder, die mit weniger gutem Futter auskommen und nicht täglich in den Stall getrieben werden müssen, gibt es in ganz Bayern noch kleinflächige Weiden, zum Beispiel an den Hängen der Bach- und Flusstäler.

Dabei handelt es sich oft um die letzten Reste extensiv genutzten Grünlandes in ackerbaulich dominierten Gegenden. Im Vergleich zu Brachen erhöht sich bei der Rinderbeweidung die Vielfalt der Flora und Fauna ZAHN et al. Nach diesen Autoren können bei entsprechendem Beweidungsregime auch stark gefährdete beziehungsweise als beweidungsempfindlich geltende Pflanzenarten durch Rinderbeweidung gefördert werden. Beispiele sind:. Viele Stauden der Feuchtgebiete mit attraktiven Blüten, wie Blutweiderich oder Minze, werden von Rindern gemieden, was das optische Erscheinungsbild solcher Weiden begünstigt.

Zudem fehlt meist der für Wiesen typische Blühaspekt, da die Beweidung die Entwicklung der Blütenstände vieler Arten beeinträchtigt. So werden Blütenstände von Enzianen und Orchideen oft verschont MARTIN Im Vergleich zu leichteren Weidetieren wie Schafen ist bei Rindern mit einer höheren Trittbelastung zu rechnen. Das kann in manchen Habitaten Sandflächen, Kiesgruben gewünscht sein, ist in steilen Hanglagen jedoch mit Erosionsproblemen verbunden. Der Tritt führt mitunter auch zum Rückgang von Pflanzenarten, die nur unvollständig gefressen werden Brennnessel.

Da Rinder wichtige Röhrichtarten, wie Schilf Phragmites australisRohrglanzgras Phalaris arundinacea und Rohrkolben Typha spec. Andererseits werden kleinere Schilfflächen auf Rinderweiden vernichtet und müssen gegebenenfalls ausgezäunt werden ZAHN et al. Eine Beweidung im Winterhalbjahr oder eine Koppelung erhöhen meist den Gehölzverbiss BUNZEL-DRÜKE et al. Stockausschläge vieler Arten werden gerne gefressen. Auf den Stock gesetzte Gehölze sterben dadurch oft ab, zumindest in den von Rindern häufig genutzten Bereichen.

Dies gilt teilweise sogar für an sich ungern gefressene Arten wie Erlen Alnus spec. Da Rinder oft in Gehölzbeständen ruhen, jedoch im Offenland weiden, kommt es zu einem Nährstoffaustrag aus dem Offenland. Ebenso werden in Feuchtgebieten Nährstoffe hin zu trockeneren Flächen verlagert, da die Tiere hier öfter rasten als in nassen Bereichen SCHEICH Im direkten Vergleich nutzten Rinder feuchtere Flächen als Schafe PUTFARKEN et al.

Auf unterbeweideten Standweiden ohne Nachmahd entsteht daher ein Mosaik aus ständig befressenen, kurzen Weiderasen und weniger bis kaum befressenen Bereichen hoher oft nährstoffarmer oder weniger schmackhafter Vegetation BOKDAM Einmal etabliert, ändern sich diese Strukturen über Jahre hinweg nur wenig ZAHN et al. Auf solchen Flächen zeigt sich, dass Rinder, dort wo sie sich häufig aufhalten, sehr wohl das Aufkommen jungen Gehölzanflugs mit Ausnahme bestimmter bewehrter Arten verhindern können.

In weniger stark frequentierten Bereichen wachsen allerdings selbst gern gefressene Gehölzarten auf, wenn viele Keimlinge vorhanden sind. Die Keimung von Gehölzen wird durch entstehende offene Bodenstellen sogar gefördert VAAS et al.

Murnau-Werdenfelser in den Isarauen zwischen Schäftlarn und Bad Tölz Landkreis Bad Tölz. Durch die Beweidung nimmt die Artenvielfalt in der Krautschicht zu. Extensive Standweiden weisen hingegen ein reiches Habitatmosaik mit einer vielfältigen Fauna auf, wenn auf Weidepflege mit Ausnahme der Gehölzreduktion weitgehend verzichtet wird.

Die Artenvielfalt ist bei vielen Insektengruppen und bei Spinnen auf extensiven Rinderweiden höher als auf Brachen und oft auch höher als auf Mähwiesen LUICK ; SCHMID et al. Die Beweidung von Kleingewässern begünstigt die Reproduktion von Pionierarten wie der Gelbbauchunke Bombina variegata ; Zahn et al. Bei extensiver Beweidung können Wiesenbrüter durchaus auf Rinderweiden erfolgreich reproduzieren MÜLLER et al. Brachvögel zum Beispiel verteidigen ihr Gelege und Rebhühner finden bei Verzicht auf Nachmahd in den von Rindern gemiedenen Weidebereichen mit höherer, überständiger Vegetation geeignete Nistplätze.

Dafür werden der Strukturreichtum und das gute Nahrungsangebot verantwortlich gemacht. Auch der Steinkauz Athene noctua profitiert vom Vegetationsmosaik extensiver Rinderweiden, in dem man auch kurzrasiges Grünland vorfindet, welches eine wichtige Voraussetzung für den Beutefang dieser Art ist REISINGER Beweidungsformen, die zu einer weitgehenden Beseitigung des Aufwuchses zur Brutzeit führen zum Beispiel Winterbeweidungwirken sich jedoch auf viele in Staudenbeständen brütende Vogelarten negativ aus, sodass die Auszäunung von Teilflächen rotierende Brachen sinnvoll ist.

Bei traditionellen Weideflächen genügt es in der Regel, das bisherige Nutzungsregime fortzusetzen, es kann jedoch erforderlich sein, die Besatzdichte und die Situation bestimmter Kleinstrukturen wie Tümpel oder Quellen zu überprüfen und anzupassen. Sollen blütenreiche, bisher gemähte Flächen mit Rindern beweidet werden, so ist eine Beweidungsruhe vom späten Frühjahr bis Frühsommer sinnvoll.

Danach sollte der Aufwuchs kurz und mit hoher Besatzdichte beweidet werden, sodass die Rinder wenig selektieren. In solchen Fällen kann auch ein Wechsel von Weide und Mahd zum Beispiel um Winterfutter zu gewinnen erfolgen. Steht der Blühaspekt beziehungsweise der Erhalt bestimmter Pflanzengesellschaften nicht im Vordergrund, stellt die extensive Standweide ohne Parzellierung der Flächen die kostengünstigste Form der Haltung dar, die auch tierökologisch in den meisten Fällen vorzuziehen ist.

Will man den Schutz von Wiesenbrütern im Feuchtgrünland sicherstellen, so kann es sinnvoll sein, die Weide in Koppeln zu unterteilen. Abgesehen von der Gabe von Mineralfutter ist während der Vegetationsperiode auf eine Zufütterung auf Landschaftspflegeflächen zu verzichten. Aus tierökologischer Sicht sollte keine Nachmahd auf der Weidefläche erfolgen, damit sich ein abwechslungsreiches Habitatmosaik einstellt. Selbst wenn die Nachmahd zum Beispiel aus botanischer Sicht angebracht ist, kann meist zumindest in Teilbereichen darauf verzichtet werden.

Wichtig für die Fauna sind Strukturen wie Einzelgehölze, Gehölzgruppen nicht im Feuchtgrünland mit WiesenbrüternAst und Steinhaufen, Hügel und Mulden. Es sollte geprüft werden, ob Standorte mit besonders empfindlichen Pflanzen- und Tierarten zum Beispiel Quellsümpfe aus der Weidefläche ausgegrenzt werden müssen. Die Zäunung sollte nicht längs am Rand empfindlicher Standorte oder Lebensraumtypen verlaufen, da die Trittbelastung entlang der Zäune erhöht ist VAAS et al.

Werden Rinder im Winter im Freiland gehalten und dabei zugefüttert, so sollte dies nicht auf naturschutzfachlich wertvollen Flächen erfolgen. Ein befestigter zentraler Futterplatz und die Verwendung von Einstreu können den Nährstoffeintrag in die Flächen reduzieren.

Alternativ kann das Futter dezentral an wechselnden Plätzen angeboten werden, um eine punktuelle Nährstoffbelastung zu verhindern WASSMUTH Bei der Mutterkuhhaltung liegt der Futterflächenbedarf bei 0,75 bis 1,2 ha je Kuh mit Kalb. In der Landschaftspflege ist der Besatz meist deutlich geringer bis zirka 2 ha und muss entsprechend den Auswirkungen auf die Flächen flexibel gesteuert werden.

Weitere Details zur Besatzdichte werden in den jeweiligen Kapiteln zur Beweidung bestimmter Habitate gegeben. In Wildnis- und Naturentwicklungsgebieten richtet sich die Besatzdichte nach der Zahl der Tiere, die über den Winter ohne Zufütterung von der Fläche ernährt werden können.

Neben Mutterkuh- und Jungviehherden ist auch die Haltung von Bullengruppen oder Ochsen gut möglich.

Diese Seite ist Teil des Online -Handbuchs "Beweidung im Naturschutz". Die weiteren Kapitel finden Sie in der Übersicht. Zur Übersicht. Zitiervorschlag siehe unten. Viele Magerrasen, Heiden und Sandhabitate sind durch die extensive Beweidung ziehender Schafherden im Laufe der Jahrhunderte entstanden. Viele dieser Lebensräume, die zu den artenreichsten Mitteleuropas gehören, können daher am besten erhalten werden, wenn diese Nutzung erhalten bleibt. Extensive Schafbeweidung leistet einen wesentlichen Beitrag zur Erhöhung der Biodiversität und zur Vernetzung von Biotopflächen.

Allerdings ist naturschutzorientierte Schafbeweidung konzeptionell anspruchsvoller als zum Beispiel die Beweidung mit Rindern oder Pferden. Die vom Aussterben bedrohte Rasse Rhönschaf gilt als Extensivrasse. Alle Fotos: Andreas Zahn. Schafe zählen zu den ältesten Haustieren und wurden vermutlich vor rund Die in Europa wild lebenden Mufflons sind vermutlich verwilderte Nachfahren sehr ursprünglicher Hausschafe.

Wildschafe bilden lockere Gruppen. Lebensjahr zu Widderherden zusammen, weibliche Nachkommen verbleiben in der Gruppe. Angeführt werden die Herden jeweils von einem älteren Leittier. Zur Brunftzeit finden sich die Widder bei den Schafherden ein. Unser Hausschaf ist ein Herdentier geblieben. Dies erleichtert das Treiben der Tiere erheblich, da sie meist alle einem Leittier folgen. Schafe sollten daher aber auch niemals allein gehalten oder transportiert werden.

Von Natur aus bewohnen Schafe trockene Lebensräume. Bei der Haltung von Schafen in Feuchtgebieten können daher bei den meisten Rassen gesundheitliche Probleme nicht ausgeschlossen werden. Schafe sind einfach zu handhaben, lediglich ältere Böcke können aggressives Verhalten gegenüber Menschen zeigen. Die Hauptdeckzeit ist im Herbst, bei zirka Tagen Tragezeit fällt die Hauptlammzeit ins Frühjahr März bis April.

Zu beachten ist, dass es eine weite Spanne von saisonalen nur im Herbst paarungsbereiten bis asaisonalen ganzjährig paarungsbereiten Schafrassen gibt. Im Winter kommen Schafe mit hohen Schneelagen schlechter zurecht als Pferde und Rinder.

Eine ganzjährige Freilandhaltung ist jedoch bei Vorhandensein von Unterständen und Zufütterung möglich. Den Tieren muss auf der Weide neben einem Unterstand Wetterschutz täglich frisches und einwandfreies Wasser zur Tränke zur Verfügung stehen. Die meisten Hausschafrassen müssen geschoren werden, was mit einem gewissen Zeit- oder Kostenaufwand verbunden ist, je nachdem, ob es der Halter selber durchführt oder ein Scherer beauftragt wird. Ebenso muss bei Bedarf ein Klauenschnitt und eine Entwurmung durchgeführt werden.

Das Spektrum der von Schafen verbissenen Pflanzen ist sehr breit. Die hieraus abzuleitende Anspruchslosigkeit bezüglich des Futters wird von LUTZ relativiert, da die Tiere insbesondere wertvolle, hochverdauliche Pflanzen und Pflanzenteile herausselektieren. Sie suchen bevorzugte Arten, insbesondere solche mit höherem Stickstoffgehalt STROH et al. Dazu gehören zahlreiche Arten der Magerwiesen, so zum Beispiel Bergklee, Esparsette, Wund- und Hufeisenklee, Wiesenknopf oder Edelgamander.

Blütenköpfe werden besonders gerne abgebissen. Danach werden diese Arten immer tiefer verbissen. Erst wenn die beliebtesten Arten weitgehend abgefressen sind, werden die oberen Abschnitte der etwas weniger gern gefressenen Arten angenommen, was sich entsprechend fortsetzt ZEHM et al. Schafe bevorzugen junges Futter und meiden ältere und härtere Gräser. Bestimmte Grasarten nehmen deshalb leicht überhand.

Stark duftende Pflanzen wie Eisenkraut Verbena officinalisGewöhnlicher Dost Origanum vulgare oder Thymian Thymus spec. In der Krautschicht breiten sich oft Storchschnabelarten Geranium spec. Der Verbiss von Gehölzen variiert jahreszeitlich. Die Beweidung von nährstoffarmen oder überständigen Weiden sollte bevorzugt vor oder zu Beginn der Trächtigkeit der Mutterschafe durchgeführt werden, da in der zweiten Hälfte der Trächtigkeit leicht Mangelsituationen auftreten. Weiterhin hat das Absetzen von Kot und Harn durch die Schafe entscheidenden Einfluss auf die Vegetation.

Die Nährstoffmengen, die Weidetiere durch Lebendmassezuwachs, Wolle und gegebenenfalls durch Milch entziehen, sind relativ gering. Bei ungeregelter Weideführung in Form einer extensiven Standweidewirtschaft kommt es nach SPATZ zu einer Stoffumverteilung, die zu ausgehagerten Flächen einerseits, zu eutrophierten Flächen andererseits führt, mit der Folge einer kleinflächigen Vegetationszonierung.

Bei der klassischen Herdenschafhaltung historische Nutzungsform kam es dagegen zu einer generellen Aushagerung der Magerflächen, da sich hier die Schafe nur stundenweise zur Futteraufnahme auf der Weide befanden. In der übrigen Zeit wurden die Tiere mit dem Ziel einer Düngung meistens auf Ackerflächen gepfercht.

Dieser, für die Erhaltung von Magerrasen und Heiden notwendige Stoffentzug, ist ein wichtiges Kriterium, welches bei heutigen Pflegekonzepten zu berücksichtigen ist. Zur Abschätzung der Nährstoffanreicherung im Pferch werden in der Literatur häufig die von WILKE et al. Das entspricht einer Menge von bis kg N je ha und Pferchnacht vergleiche auch Tabelle 1. Nach Angaben von HAFEZ setzen Schafe täglich 6- bis 8-mal Kot und 9- bis mal Harn ab. Vielmehr ist es erforderlich, in einem exakten Beweidungsplan die örtlichen Bedingungen zu berücksichtigen und daraus differenzierte, flächenbezogene Anweisungen für den Schäfer abzuleiten.

Tabelle: Nährstoffausscheidungen von Schafen BRIEMLE et al. Der Düngeeintrag ist jedoch von diversen Faktoren abhängig und verhält sich nicht konstant. Viele hochwertige Trockenrasen in Bayern werden traditionell durch behirtete Schafherden beweidet zum Vergleich von Mahd und Schafbeweidung bayerischer Trockenrasen siehe auch Landschaftspflegekonzept Bayern, Bd.

Der Tourismus, zum Beispiel in der Fränkischen Schweiz, lebt von der gewachsenen Kulturlandschaft. Vor allem die von Schäfern gepflegten Wacholderheiden stellen einen prägenden Lebensraumtyp dieser Landschaft dar. Der Schäfer in diesem Lebensraum vermittelt ein Gefühl der Heimat WELD Dies zeigt nochmals die Wichtigkeit eines optimalen Weide managements auf.

Auch gefährdete Arten der Trockenrasen und fast alle Orchideen kommen auf Schafweiden seltener vor. Lediglich sehr spezialisierte Arten der Steppenrasen sind hier besser vertreten. Eine sorgfältige Herdenführungen und ein angepasstes Flächen management sind für die Erhaltung floristisch hochwertiger Flächen durch Schafbeweidung daher unerlässlich.

Die artenreichsten Schaftrockenweiden befinden sich meist in schwachwüchsigen, gut besonnten und niederschlagsarmen Hanglagen. Wie sich unterschiedliche Formen der Beweidung auf Artengruppen beziehungsweise spezielle gefährdete Arten auswirkt, ist detailliert im Landschaftspflegekonzept Bayern, Bd. Aufgrund des leichten Gewichtes verursachen Schafe bei guter Weideführung! Die Terrassenbildung Viehgangerl ist bei Schafweiden wesentlich schwächer ausgeprägt als bei Rinderweiden VON KORN So lagern die Tiere gerne erhöht, also zum Beispiel auf Gipfeln und Graten, wo die oftmals spezialisierte und empfindliche Vegetation durch Tritt und Eutrophierung beeinträchtigt wird RINGLER Daher ist in diesen Bereichen eine gelenkte Beweidung mit Schafhirten und Hütehunden sinnvoll, oder aber die empfindlichen Gebiete werden ausgezäunt und nur kurzzeitig zur Beweidung zugelassen.

Wollschafe tragen stärker als andere Tierarten zur Verbreitung von Samen und Tieren bei, die im Fell der Tiere transportiert werden. Werden Schafherden auf verschiedenen Teilflächen eingesetzt, so bewirken sie eine gewisse floristische Vernetzung. Samen mancher Pflanzen können auch über Kot und Klauen übertragen werden vergleiche FISCHER et al. Der Biotopverbund mit Schafen fördert zum Beispiel nachweislich die Ausbreitung und Erhaltung der pflanzlichen Charakterarten von Kalkmagerrasen BÖHMER Gehölze werden von Schafen viel weniger verbissen als von Ziegen, doch ist bei einem entsprechenden Weide management durchaus eine Reduktion junger Gehölze beziehungsweise Stockausschläge möglich ZEHM Im Gegensatz zu Ziegen lassen sich mit Schafen auch Streuobstwiesen beweiden.

Dabei ist eine kurze Beweidungszeit gehütet mit vielen Schafen besser als eine lange Beweidung gekoppelt mit wenigen Schafen, da die Schafe vor allem bei Langeweile und schlechtem Wetter beginnen, die Rinde der Bäume abzuschälen. Zum Schutz der Bäume können die Stämme entweder mit einem 1,30 m hohen Rehverbisszaun und drei Holzpfosten gegen den Verbiss geschützt werden oder sie werden mit Schafkot oder -fett dick eingestrichen.

Ziegen hingegen können aufgrund ihrer Kletterfähigkeit auch bei geschützten Bäumen erhebliche Schäden verursachen. In Feuchtgebieten ist Schafbeweidung weniger üblich, doch ist auch hier eine erfolgreiche Landschaftspflege möglich. Bewährt haben sich ein Hüten der nassen Flächen während des Tages und ein Einpferchen der Schafe auf trockenen Flächen während der Nacht. Brillenschafe fressen sowohl Faulbaum als auch junges Schilf; junge Simsen meiden aber Birken, Zwergkiefern und Heide.

Ausgesprochen nasse Flächen zum Beispiel Flachwasserzonen von Gewässern werden von Schafen jedoch gemieden. Im direkten Vergleich nutzten Schafe trockenere und nährstoffärmere Flächen als Rinder PUTFARKEN et al. Kurzzeitige, intensive Beweidung, wie sie aus floristischer Sicht oft sinnvoll ist, wirkt sich auf die Fauna mit Ausnahme bestimmter Arten trockenwarmer Standorte ähnlich katastrophal aus, wie eine Mahd.

Die tierischen Beweider — egal ob Rind, Pferd, Schaf oder Ziege — zertreten den Lebensraum, zum Beispiel von Insekten, die in hohen Gräsern leben, wodurch deren Anzahl deutlich zurückgeht. Schafweiden schneiden, was die Auswirkungen auf die Fauna betrifft, nach ÖCKINGER et al.

Wichtig sind lange Weidepausen 2 bis 4 Monatein denen sich die Tierwelt regenerieren kann, und ein Verzicht auf eine allzu einheitliche Beweidung der Flächen, sodass wenig verbissene Weidebereiche als Rückzugsräume verbleiben. Alternativ kann eine zeitlich gestaffelte Beweidung von Teilflächen Tieren räumliche Ausweichmöglichkeiten bieten, da ein Teil der Fauna auf die gerade nicht beweideten Bereiche abwandern kann. Auch das Aussparen von Säumen und Randstrukturen begünstigt die Tierwelt gegebenenfalls derartige Strukturen nicht bei jedem Weidegang in die Weidefläche einbeziehen.

Eine Verarmung der Flora durch schlechtes Weide management langfristige Unterbeweidung wirkt sich auch auf die faunistische Vielfalt negativ aus. Generell sind viele Tierarten auf Störstellen und bestimmte Kleinstrukturen angewiesen, die durch Beweidung im Gegensatz zu einer Mahd entstehen beziehungsweise erhalten werden. Wie sich unterschiedliche Formen der Schafbeweidung auf Artengruppen beziehungsweise spezielle gefährdete Arten auswirkt, ist detailliert im Landschaftspflegekonzept Bayern, Bd.

Gämsen scheinen Äsungsflächen im Hochgebirge, auf denen zwischenzeitlich Schafe geweidet haben, zu meiden BAFU Ob dies auch für Rehe und Rotwild gilt, ist bislang nicht untersucht worden. Die Schafbeweidung mit dem Ziel der Biodiversitätserhaltung ist anspruchsvoller als zum Beispiel die Beweidung mit Rindern oder Pferden.

Flora und Fauna regenerieren sich in den möglichst langen Weidepausen. Da laufend entschieden werden muss, welche Flächen wann und wie lange beweidet werden sollen, ist bei beiden Methoden eine erhebliche naturschutzfachliche Kompetenz der Tierhalter beziehungsweise eine enge Abstimmung mit Vertretern des Naturschutzes wünschenswert. Je heterogener, wüchsiger und frischer der Standort, desto anspruchsvoller ist eine naturschutzkompatible Beweidung mit Schafen.

Auf botanisch wertvollen Flächen muss auf Düngung und Zufütterung verzichtet werden, da meist der Eintrag von Nährstoffen Veränderungen in der Artenzusammensetzung zur Folge hat. Die nächtliche Pferchung beziehungsweise im Fall der Koppelhaltung die Anlage von Unterständen auf weniger wertvollen Flächen, kann die Aushagerung von Pflanzenbeständen begünstigen, da ein wesentlicher Teil des Kotes im Pferch beziehungsweise Unterstand abgegeben wird.